Der wichtigste Griff beim Verblenden von Buntstiften ist nicht der Stift, sondern Ihr Handgelenk: Üben Sie nur minimalen Druck aus, denn weiche Übergänge entstehen durch viele dünne Schichten, nicht durch starkes Aufdrücken.
Beginnen Sie auf einem gedruckten Ausmalbild immer mit den hellsten Farbtönen und steigern Sie sich zu den dunklen vor – das verhindert, dass sich dunkle Pigmente in das helle Papier festsetzen und sich nicht mehr wegradieren lassen.
Warum Schichten mehr bringt als Druck
Die meisten Buntstifte, besonders weiche Marken, geben bereits bei leichtem Strich viel Farbe ab. Legen Sie die erste Schicht mit gleichmäßigen, kreisenden Bewegungen auf – am besten mit der Stiftspitze flach gehalten, damit die Pigmente in die Papierfasern rieseln.
Warten Sie nicht, bis die Fläche deckend ist. Eine zweite, dritte oder vierte Schicht in derselben Richtung erzeugt einen satteren Ton, ohne die Papierstruktur zu zerstören.
Ein häufiger Fehler ist, zu früh zu stark zu drücken. Das glättet das Papier, und spätere Schichten haften nicht mehr. Arbeiten Sie stattdessen in kleinen Flächen: Färben Sie zuerst eine Ecke fertig, bevor Sie sich vorarbeiten. So sehen Sie sofort, ob der Übergang weich wird.
Mit dem Papierwischer oder Finger verwischen
Wenn Sie eine Grundschicht gelegt haben, können Sie die Pigmente mit einem Papierwischer (auch „Blender“ genannt) oder dem Finger leicht verreiben. Der Papierwischer ist sauberer und präziser – er nimmt überschüssige Farbe auf und verteilt sie gleichmäßig in den Zwischenräumen.
Verwenden Sie den Wischer mit derselben Leichtigkeit wie den Stift: in kreisenden Bewegungen, ohne Druck. Nach dem Verwischen wird die Fläche matter und heller – das ist normal. Sie können danach eine weitere Schicht Farbe auftragen, um die Leuchtkraft zurückzubringen.
Der farblose Blender: Das Geheimnis für satte Farben
Ein farbloser Buntstift (oft als „Blender“ oder „Mischstift“ bezeichnet) ist das einfachste Werkzeug für weiche Übergänge, weil er keine Lösungsmittel enthält und das Papier nicht wellt.
Nehmen Sie einen solchen Stift und fahren Sie nach der letzten Farbschicht mit leichtem Druck über die Fläche. Die Wachsbinder der Buntstifte werden durch die Reibung erwärmt und verbinden sich zu einer glatten, leicht glänzenden Oberfläche.
Das funktioniert auf normalem Druckerpapier erstaunlich gut, solange Sie nicht zu viel Druck ausüben. Wenn Sie das Gefühl haben, dass der Stift nicht mehr über das Papier gleitet, sondern es abträgt, ist die Schicht voll – legen Sie den Blender beiseite.
Lösungsmittel: Nur mit Vorsicht auf Ausmalbildern
Für Fortgeschrittene gibt es die Möglichkeit, mit Lösungsmitteln zu hantieren – etwa mit Waschbenzin oder speziellem Buntstift-Lösungsmittel. Das löst die Wachspigmente auf und erzeugt einen aquarellartigen Effekt.
Doch Vorsicht: Normales Kopierpapier, wie es für die meisten Ausmalbilder verwendet wird, ist nicht für Flüssigkeiten geeignet. Es wellt sich schnell und kann einreißen, wenn Sie zu viel auftragen.
Wenn Sie es trotzdem ausprobieren möchten, testen Sie zuerst an einer unauffälligen Stelle. Tragen Sie das Lösungsmittel mit einem Wattestäbchen oder Pinsel nur dünn auf und warten Sie, bis es vollständig getrocknet ist, bevor Sie weitermalen. Für die meisten Menschen ist der farblose Blender die sicherere Wahl – gerade auf bedruckten Seiten.
Die richtige Reihenfolge: Hell nach dunkel
Die Grundregel beim Verblenden lautet: immer von hell nach dunkel vorgehen. Beginnen Sie mit einem hellen Gelb oder Hellgrün, legen Sie dann die mittlere Schicht auf und setzen Sie zuletzt dunkle Akzente wie Dunkelblau oder Schwarz.
Warum? Weil dunkle Pigmente schnell in die Papierfasern einziehen und sich nicht mehr vollständig entfernen lassen. Wenn Sie mit Dunkelblau starten und dann ein Hellgelb darüberlegen, wird das Gelb schnell schmutzig.
Ein Beispiel: Bei einem Blatt in der Kategorie Tiere Ausmalbilder können Sie das Fell eines Löwen zuerst mit Ocker, dann mit einem warmen Braun und erst zuletzt mit dunklen Schatten an den Ohren und unter der Mähne zeichnen. Der Übergang bleibt weich, weil jede Schicht die darunterliegende leicht durchscheinen lässt.
Übung macht den Übergang
Der beste Weg, weiches Verblenden zu lernen, ist eine kleine Farbstudie: Nehmen Sie ein Blatt Papier und zeichnen Sie mehrere Kästchen. Füllen Sie das erste mit einer hellen Schicht, das zweite mit zwei Schichten, das dritte mit drei – und so weiter. Verwenden Sie dann einen Blender und beobachten Sie, wie die Intensität mit jeder Schicht zunimmt.
Sie werden feststellen, dass weniger Druck und mehr Schichten fast immer zu einem weicheren Ergebnis führen als ein einzelner kräftiger Strich. Und wenn Sie einmal einen Fehler machen: Mit einem Radiergummi können Sie helle Stellen ausbessern, solange Sie nicht zu viel Druck verwendet haben.
Häufige Fehler und wie Sie sie vermeiden
Zu viel Druck auf einmal – Drücken Sie nicht fester, sondern legen Sie mehr Schichten auf. Die Pigmente setzen sich sonst in die Papierfasern und lassen sich nicht mehr verwischen.
Zu früh dunkle Farben verwenden – Dunkle Töne dominieren sofort. Gehen Sie langsam vor und lassen Sie die dunkelste Farbe für die letzte Schicht.
Mit dem Finger verwischen, wenn die Hand fettig ist – Der natürliche Hautfettgehalt kann helle Farben grau erscheinen lassen. Nutzen Sie lieber einen Papierwischer oder waschen Sie sich vorher gründlich die Hände.
Das Papier überladen – Wenn das Papier sich wellt oder durchscheint, haben Sie zu viel Farbe aufgetragen. Bei dünnem Kopierpapier hilft es, eine glatte Unterlage zu verwenden und die Schichten dünn zu halten.
Was Kopierpapier aushält – und was nicht
Normales Druckerpapier mit 80 g/m² ist für das Verblenden mit Buntstiften grundsätzlich geeignet, solange Sie trocken bleiben. Es nimmt aber nur eine begrenzte Menge an Wachs auf. Wenn Sie stark schichten, wird das Papier rau und kann an den Rändern einreißen.
Für intensivere Techniken wie das Auftragen von Lösungsmitteln oder das Malen mit einem Pinsel ist dickeres Papier (ab 120 g/m²) besser – das finden Sie in speziellen Malblöcken. Die meisten Ausmalbilder von Color.mr sind als PDF-Ausmalbilder konzipiert und auf normalem Papier bedruckt. Wenn Sie also mit Lösungsmitteln arbeiten möchten, drucken Sie die Seite besser auf schwererem Papier aus.
Verblenden in der Natur und bei Tieren
Besonders schön gelingen weiche Übergänge bei Motiven mit Himmel, Wasser oder Fell. In der Kategorie Natur Ausmalbilder finden Sie zum Beispiel Sonnenuntergänge, bei denen Sie von Rot über Orange zu Gelb verblenden können – ein idealer Einstieg, weil die Farben nahtlos ineinanderfließen.
Bei Tieren hingegen geht es oft um Fell- oder Federstrukturen. Hier können Sie mit kurzen, feinen Strichen vorgehen und die Übergänge mit einem Blender glätten. Die Themen Ausmalbilder bieten zusätzlich saisonale Motive, bei denen Sie das Verblenden an verschiedenen Objekten üben können – von Herbstblättern bis zu Weihnachtssternen.
Wenn Sie mit Kindern malen, die noch nicht so viel Geduld haben, empfehlen sich einfache Motive aus der Kategorie Ausmalbilder für Kleinkinder – dort sind die Flächen groß und das Verblenden gelingt schneller. Für ein sauberes Ergebnis mit Wachsmalstiften finden Sie außerdem hilfreiche Hinweise unter Sauber ausmalen mit Wachsmalstiften.
Die richtige Papierwahl spielt dabei eine größere Rolle, als viele denken. Wenn Sie mit normalem Kopierpapier arbeiten, bleiben Sie bei trockenen Techniken – das schont das Papier und Ihre Stifte. Für alle anderen Fälle lohnt sich der Blick in den Ratgeber zu Aquarell auf Ausmalbildern, der erklärt, welche Techniken auf welchem Papier funktionieren.
Mit etwas Übung werden Ihre Farbverläufe bald so weich wie bei einem professionellen Kunstwerk – und das ganz ohne Hilfsmittel außer Stift, Papier und Geduld.